Männer schreiben am liebsten über Männer - Pilotstudie „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ in Kooperation mit dem Institut für Medienforschung

Medien prägen Bilder der Gesellschaft, sie tragen dazu bei, Vorstellungen über Männer und Frauen zu verbreiten. Ein wichtiger Faktor ist die Literaturkritik: Sie hebt heraus, wessen Blick auf die Welt wesentlich sei. Um zu untersuchen, in welchem Umfang Autorinnen in der Literaturkritik dargestellt werden, erhob das Projekt #frauenzählen zusammen mit dem Institut für Medienforschung der Universität Rostock die Pilotstudie zur Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb.

Im Laufe des Monats März 2018 wurden dazu 2.036 Buchbesprechungen in 69 deutschen Medien in den Bereichen Print, Hörfunk und TV statistisch erhoben und sozialwissenschaftlich ausgewertet. Auf eine Autorin kommen zwei Autoren. In allen Medien (mit Ausnahme von Frauenzeitschriften) wird Autoren bei Besprechungen eine häufigere Aufmerksamkeit entgegengebracht: Zwei Drittel der rezensierten Bücher sind von Männern verfasst worden. Drei Viertel aller von Männern besprochenen Werke sind von Autoren verfasst. Kritikerinnen besprechen ausgewogener, doch auch überwiegend Männer. Im Bereich Sachbuch ist lediglich jedes fünfte durch einen Mann rezensierte Buch von einer Frau verfasst. In der Kriminalliteratur liegt der Anteil noch darüber. In diesem Genre rezensierten mit 82 Prozent Männer am liebsten Männer. Die von Kritikern verfassten Besprechungen sind deutlich ausführlicher als die von Kritikerinnen. Für den TV-Bereich lässt sich eine eklatant deutlichere Sichtbarkeit von Autoren feststellen: Die durchschnittliche Sendezeit zu Werken von Männern übertrifft um knapp vierzig Prozent jene von Autorinnen. Im Radiobereich dagegen wurden Autorinnen zwar seltener, aber dafür etwas länger präsentiert.

Die vollständigen Studienergebnisse inklusive ausgewählter Diagramme finden Sie unter www.frauenzählen.de und Rückfragen richten Sie gern an pressefrauenzählende.

Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse
10. Oktober 2018, 13-14 Uhr, Weltempfang Salon (Halle 4.1 B 81)
„Bilder bauen Welten: die Macht des (un)sichtbaren Narrativs“
mit Maren Kroymann (Schauspielerin und Grimme-Preisträgerin),
Prof. Elizabeth Prommer (Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock),
Nina George (Internationale Bestsellerautorin)
Moderation: Dr. Valeska Henze (Politologin, Übersetzerin)

Hintergrund
Was ist das Projekt #frauenzählen?

#frauenzählen ist ein langfristig angelegtes Forschungsprojekt im Literaturbetrieb. Es ist hervorgegangen aus der verbandsübergreifenden AG DIVERSITÄT und setzt sich zum Ziel, mit eigenen Studien sowie einer Sammlung weiterer Analysen, Essays und Blogbeiträgen einen umfassenden Datenreport zur Präsenz von Frauen im Literaturbereich zu generieren. Dazu gehört die Sichtbarkeit von Autorinnen in der Literaturkritik, aber auch die Untersuchung der Geschlechterverteilung bei der Verleihung von Literaturpreisen, in Verlagsprogrammen, in schulischen Lehrmaterialien, in der Veröffentlichungsrate insgesamt, in Jurybesetzungen oder bei der Vergabe von Stipendien. Die Analysen dienen der Feststellung möglicher struktureller Probleme, ihrer Ursachen und Auswirkungen, sowie der Erarbeitung konstruktiver Vorschläge zur Erhöhung der Geschlechtergerechtigkeit im Literaturbereich.

Die Pilotstudie „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ ist das erste Ergebnis des Forschungsprojekts #frauenzählen und wurde in Kooperation mit dem Institut für Medienforschung der Universität Rostock konzipiert und durchgeführt. 38 Codiererinnen und Codierer unter der Leitung von Janet Clark, Präsidentin der Mörderischen Schwestern e.V., und Nina George, Mitglied des Präsidiums im PEN-Zentrum Deutschland, zählten 2036 Rezensionen in 69 Medien aus.

Kontakt:
Prof. Dr. Elizabeth Prommer
Lehrstuhl für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Direktorin des Instituts für Medienforschung
Philosophische Fakultät (PHF)
Universität Rostock
Tel: +49 381 498-2718; -2717 (Sekretariat)
elizabeth.prommeruni-rostockde


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