Öffentlicher Vortrag: Die Varietäten im brasilianischen Deutsch: Perspektiven der Sprachförderung zwischen Dialekt und Standard

Institut für Germanistik,Philosophische Fakultät

Man schätzt um die 14 Varietäten, die ab 1824 von deutschsprachigen Auswanderern aus verschiedenen Gegenden der europäischen Matrix nach Brasilien mitgenommen wurden. Hunsrückisch und Pommerisch zählen dabei zu den meistgesprochenen und auch meist-untersuchten dieser „Einwandersprachen‟, wie man sie in der brasilianischen Politik für Sprachdiversität mehrfach bezeichnet. Neben dem Kontakt mit dem Portugiesischen hin-terließ auch der Kontakt zwischen den verschiedenen Dialektvarietäten unter sich und mit dem „lokalen Hochdeutsch‟ als „omnipräsente Varietät‟ tiefe Spuren in der heutigen Konfi-guration dieser Varietäten. Der Zusammenhang zwischen Dialekt und Standard lässt sich im Laufe der Sprachkontaktgeschichte somit in den unterschiedlichsten Domains der Schu-le, Kirche und Presse beobachten, aber auch in den neusten Versuchen der Sprachpolitik, mit der diese Einwanderersprachen gefördert werden sollen.
Im Vortrag wird in einem ersten Teil ein Überblick über die Vitalität und das Verhalten die-ser Dialektvielfalt gegeben. Im zweiten Teil wird die Rolle des Standard-Dialekt-Kontinuums für die Förderung der deutschen Sprache in Brasilien analysiert. Dabei wird anhand von bisher durchgeführten Sprachförderungsmaßnahmen sowie auch von Ergebnissen ver-schiedener Untersuchungen um das Projekt „Atlas Linguístico-Contatual das Minorias Alemãs na Bacia do Prata‟ (ALMA - s. www.ufrgs.br/projalma/) für ein sog. „Babuschka-Modell‟ plädiert, in dem das gesamte Variationsspektrum des Deutschen in Brasilien be-züglich der entsprechenden Funktionen und Praktiken mit eingeschlossen ist.

Prof. Altenhofen ist Mitglied der Universidade Federal do Rio Grande do Sul/UFRGS, Porto Alegre – Brasilien und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den deutschsprachigen Varie-täten in Brasilien, so etwa mit dem sogenannten Hunsrückischen, einer deutschsprachigen Einwanderervarietät, die sich seit dem 19. Jahrhundert in Brasilien etabliert hat. Seine For-schungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Dialektologie und Sprachkontaktfor-schung. Prof. Altenhofen war und ist an mehreren Forschungsprojekten zu regionalen Vari-etäten in Brasilien beteiligt, so am Atlas Lingüístico-Etnográfico da Região Sul do Brasil (A-LERS), dem Sprachkontaktatlas der deutschen Minderheiten im La Plata-Becken: Hunsrü-ckisch (ALMA-H) sowie dem Sprachatlas des Portugiesischen in Südbrasilien (ALERS).


Kontakt

Prof. Dr. Andreas Bieberstedt
Universität Rostock
Institut für Germanistik
Niederdeutsche Sprache und Literatur

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