Top-Wissenschaftler der Uni Rostock analysieren Pandemie-Folgen - Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung: Dr. Maria Furtwängler im Gespräch

Dr. Maria Furtwängler (© MaLisa Stiftung)

Berufstätige Frauen haben das Corona-Virus lebhaft verbreitet, aber daran gestorben sind vor allem Männer im Rentenalter. Sollten also in der nächsten Pandemie die Frauen sofort nach Hause geschickt werden? Es sei wichtig, „ihre Kontakte zu minimieren, das Potential an Home-Office ist noch nicht ausgeschöpft.“ So lautet das neueste Studienergebnis der Soziologie-Professorin Gabriele Doblhammer von der Universität Rostock. Zu hören in der neuesten Podcast-Reihe der Universität. „Lernen aus der Krise: Covid-19 und die Folgen für die Gesellschaft“. In dieser Reihe präsentieren namhafte Top-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse aus einem Jahr Pandemie-Forschung, brandaktuell und für das breite Publikum aufbereitet. So schnell war Wissenschaft noch nie.

Frauen im Home-Office sind aber auch nah an Küche, Herd und Kindern. Also eine Rolle rückwärts für die Gleichberechtigung? Das ist längst passiert, sagt die Medizinerin und Schauspielerin Dr. Maria Furtwängler, die ebenfalls eine Studie mit der Uni Rostock durchgeführt hat. „In den ersten Sondersendungen im Fernsehen kamen fast nur Männer zu Wort“,  haben die Verfasserinnen und Verfasser der Studie der MaLisa Stiftung und der Medien-Professorin Elizabeth Prommer ermittelt. „Was für ein Rückschritt, dabei ist jeder zweite Arzt eine Ärztin!“ Im Interview analysieren Prommer und Furtwängler die erstaunliche Machtübernahme der Männer in Krisenzeiten. 

Wo gleiche Rechte und Solidarität auf Chef-Ebene nicht gelten, da hat die Pandemie am Boden der Gesellschaft zu erstaunlich nettem, hilfsbereitem Verhalten geführt. „Die Leute haben extra dem kleinen Laden um die Ecke Geld gespendet oder haben Gutscheine gekauft, um die soziale Infrastruktur am Leben zu halten“, so berichtet Professorin Lena Steinhoff im Gespräch mit ihrem Forschungspartner von der FU Berlin über Konsumentensolidarität. Auch die Wirtschaftswissenschaftlerin gehört zur 'Interdisziplinären Fakultät' der Rostocker Uni, die gleich nach Beginn der Pandemie mit ihrer Erforschung durchstartete. 

Selbst Medizinhistoriker machen mit beim Forschen und Publizieren in Echtzeit. Professor Ekkehardt Kumbier aus der Medizingeschichte zeigt Parallelen zur Pest im 14. Jahrhundert auf. Schon damals gab es in Rostock 'social distancing' und häusliche Quarantäne, aber auch die Suche nach den Schuldigen, inklusive Fake News von den 'Juden', die die Brunnen vergiftet haben. „Konspirative Deutungsmuster im Kontext von Seuchen sind in der Geschichte ein immer wieder gebrauchtes Narrativ“, analysiert er. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Die netteste Form von Konsumentensolidarität fand Professorin Lena Steinhoff übrigens bei einem Konsumenten, der selbst gar kein Kunde war. Das Restaurant in seiner Nachbarschaft war für ihn selber viel zu teuer, aber das muntere Treiben von Kellnern und Gästen war so anheimelnd und erfreulich, dass er sein weniges Geld an die Belegschaft spendete. Vom Munde abgespart.

Die Pandemie aus wissenschaftlicher Sicht: Rolle rückwärts bei der Gleichberechtigung, jede Menge Fake News, aber auch viele nette Menschen.

Hörbar in der interdisziplinären Podcast-Reihe „Lernen aus der Krise: Covid-19 und die Folgen für die Gesellschaft“. Die Links zu allen Folgen werden unter https://www.imf.uni-rostock.de/forschung/kommunikations-und-medienwissenschaft/podcast-lernen-aus-der-krise/ sowie unter https://www.inf.uni-rostock.de/inf/projekte-der-departments/corona-podcast-reihe/ bereitgestellt.

  
Kontakt:

Prof. Dr. Elizabeth Prommer
Universität Rostock
Interdisziplinäre Fakultät
Tel.: +49 381 498-8900
E-Mail: elizabeth.prommer@uni-rostock.de


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